Zystizerkose (Infektion mit Cysticercus cellulosae)
Wesentliches zur Diagnose
- Chirurgische Entfernung des befallenen Gewebes mit mikroskopischer Identifikation des Parasiten.
- Häufig sind verkalkte Zysten auf Röntgen- oder Computertomographie(CT)-Aufnahmen sichtbar.
- Positive Serologie als Hinweis auf eine frühere Exposition gegenüber T solium.
- Feinnadelaspiration von Zysten (charakteristische zytomorphologische Merkmale).
Allgemeine Überlegungen
Zystizerkose wird durch die Invasion von Gewebe mit den Larvenformen von T solium verursacht. Diese Larven wurden auch als Cysticercus cellulosae bezeichnet; diese Bezeichnung ist jedoch taxonomisch nicht korrekt und kann zu Verwechslungen führen. Bei einem Wirt mit einer Infektion durch adulten T solium werden Eier oder Proglottiden mit dem Stuhl ausgeschieden. Nach der Aufnahme der Eier oder Proglottiden durch Schweine (Zwischenwirte) oder Menschen (sowohl definitive als auch Zwischenwirte) schlüpfen die Eier im Magensaft. Dadurch kann der Zystizerkus aus dem Darm über abführende mesenteriale Venen in disseminierte Körperregionen wandern. Beim Menschen kann es auch zu einer Autoinfektion kommen; dabei schlüpfen Eier, die vom adulten intestinalen Wurm produziert werden, und dringen in das Darmepithel ein.

Klinische Befunde
Zeichen und Symptome
Die mit Zystizerkose verbundenen Symptome hängen vom betroffenen Organ und von der entzündlichen Reaktion ab, die als Antwort auf die Larve auftritt. Im Gehirn kann Zystizerkose eine Arachnoiditis oder eine chronische Meningitis verursachen, verbunden mit Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen und kranialen Neuropathien. Weitere Erscheinungsformen sind ein obstruktiver Hydrozephalus mit Ataxie und Demenz, eine intrakranielle Vaskulitis mit fokalen neurologischen Zeichen und neuropsychiatrischen Veränderungen oder raumfordernde Prozesse mit Anfällen, Kopfschmerzen oder fokalen neurologischen Defiziten. Zudem kann es zu einer Rückenmarkskompression mit Schwäche der unteren Extremitäten sowie Verlust der Darm- und Blasenkontinenz kommen. Zysten außerhalb des zentralen Nervensystems treten tendenziell im Muskelgewebe auf, sind meist asymptomatisch und sterben schließlich ab, verkalken und werden möglicherweise zufällig auf Röntgenaufnahmen entdeckt. Gelegentlich verursachen Muskelzysten eine Pseudohypertrophie, die mit Myositis, hohem Fieber und Eosinophilie assoziiert sein kann. Zysten können auch in kritischen Organen (häufig Herz und Leber) auftreten, wo sie sich als raumfordernde Läsionen mit Schmerzen oder obstruktiven Symptomen präsentieren.
Das klinische Erscheinungsbild kann daher von zufällig entdeckten Verkalkungen bis hin zu schweren neurologischen Beeinträchtigungen reichen. Ein und derselbe Patient kann dabei sowohl asymptomatische als auch symptomatische Läsionen in unterschiedlichen Organen aufweisen.
| Ort | Typische Manifestationen | Beispiele aus dem Text |
|---|---|---|
| Gehirn und Hirnhäute | Entzündung, raumfordernder Effekt, CSF-Flussobstruktion | Arachnoiditis, chronische Meningitis, obstruktiver Hydrozephalus, Anfälle, fokale neurologische Defizite, Demenz |
| Rückenmark | Kompression und neurologische Defizite | Rückenmarkskompression mit Schwäche der unteren Extremitäten und Verlust der Darm- und Blasenkontinenz |
| Skelettmuskulatur | Oft asymptomatisch; gelegentlich entzündlich | Verkalkte Zufallszysten, Pseudohypertrophie, Myositis, hohes Fieber, Eosinophilie |
| Innere Organe (Herz, Leber, andere Organe) | Raumfordernde Läsionen und Obstruktion | Schmerzen oder obstruktive Symptome, wie z. B. biliäre Obstruktion bei hepatischer Zystizerkose |
Labordiagnostik
Patienten mit Zystizerkose können eine milde Leukozytose aufweisen, möglicherweise mit Eosinophilie. Bei Patienten mit Meningitis im Zusammenhang mit Neurozystizerkose kann die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis entweder eine lymphozytäre oder eosinophile Pleozytose, eine Hypoglykorrhachie und erhöhte Proteinwerte zeigen. Kürzlich wurde ein serologischer Test für T solium entwickelt; seine Leistungscharakteristika müssen jedoch noch validiert werden. Falsch-positive Ergebnisse wurden mit Infektionen durch andere Bandwürmer assoziiert. Ein negativer serologischer Test schließt die Diagnose einer Zystizerkose nicht aus.
Bildgebung
Lebende Zysten, die mit Zystizerkose assoziiert sind, sind häufig multipel und zeigen in CT-Scans oder in der Magnetresonanztomographie (MRT) ein charakteristisches Erscheinungsbild, darunter sowohl kontrastmittelaufnehmende als auch nicht kontrastmittelaufnehmende unilokuläre Zysten. Patienten mit extraneurologischer Zystizerkose können schmerzlose subkutane Knoten, häufig an den Schienbeinen, aufweisen; diese sind verkalkt und zeigen ein charakteristisches Aussehen auf Röntgenaufnahmen.
| Diagnostische Methode | Funktion | Ausgewählte Merkmale |
|---|---|---|
| Chirurgische Exzision und Histologie | Definitive Identifikation | Mikroskopische Identifikation der Larve im entfernten Gewebe |
| Feinnadelaspiration | Zytologische Bestätigung | Charakteristische zytomorphologische Merkmale der Zystizerken |
| Serologische Tests | Hinweis auf Exposition | Positive Ergebnisse deuten auf einen früheren Kontakt mit T solium hin; falsch positive Ergebnisse bei anderen Bandwürmern möglich; ein negativer Test schließt die Erkrankung nicht aus |
| CT / MRT von Gehirn und Rückenmark | Beurteilung der Neurozystizerkose | Multiple kontrastmittelaufnehmende und nicht kontrastmittelaufnehmende unilokuläre Zysten; Beurteilung von Hydrozephalus und raumforderndem Effekt |
| Röntgenaufnahmen | Nachweis verkalkter Zysten | Verkalkte subkutane oder intramuskuläre Knoten, häufig an den Schienbeinen |
Differenzialdiagnose
Patienten, die wegen Symptomen einer Infektion mit T solium medizinische Hilfe suchen, tun dies meist aufgrund neurologischer Symptome, die mit der Neurozystizerkose assoziiert sind. Die häufigsten neurologischen Symptome sind raumfordernde Effekte und Anfälle (im Zusammenhang mit intraparenchymalen Läsionen), Hydrozephalus (im Zusammenhang mit intraventrikulären Zysten), chronische Meningitis (im Zusammenhang mit subarachnoidalen Zysten) und Rückenmarkskompression (bedingt durch Zysten im Rückenmark). Die Differenzialdiagnose dieser Symptome liegt außerhalb des Umfangs dieser Darstellung, jedoch kann sich eine Malignität mit identischen Symptomen präsentieren und muss daher ausgeschlossen werden.
Komplikationen
Die viszerale Zystizerkose ist ebenfalls häufig asymptomatisch, kann jedoch lokale Strukturen blockieren (z. B. biliäre Obstruktion bei hepatischer Zystizerkose). Neurozystizerkose kann zu dauerhaften neurologischen Schäden, Koma oder sogar zum Tod führen.
Behandlung
Die Therapie der Zystizerkose umfasst, sofern möglich und erforderlich, einen operativen Eingriff in Kombination mit Praziquantel oder Albendazol. Die Behandlung der Zystizerkose verstärkt häufig die lokale Entzündung, was vorübergehend zu einer paradoxen Verschlechterung der Symptome führen kann. Ob Kortikosteroide als adjuvante Therapie bei der Behandlung der Neurozystizerkose eingesetzt werden sollten, bleibt umstritten.
Entscheidungen über den Zeitpunkt der Operation, die Wahl des Antiparasitikums und den Einsatz einer antientzündlichen Therapie werden üblicherweise individuell getroffen. Dabei werden Zystenlokalisation, Befallslast und Schweregrad der neurologischen Beteiligung berücksichtigt.
Prognose
Die Sterblichkeitsrate bei unbehandelter Neurozystizerkose liegt bei etwa 50 %, durch Behandlung wird diese auf 5-15 % gesenkt.
Prävention und Kontrolle
Richtlinien zur Vorbeugung von Zystizerkose entsprechen den Maßnahmen zur Verhinderung einer T solium-Infektion. Dazu gehören die ordnungsgemäße Zubereitung von Schweinefleisch, sorgfältige Handhygiene und ausreichende sanitäre Maßnahmen zur Vermeidung einer fäkalen Kontamination von Lebensmitteln und Wasser.

















