Zervizitis
Beschreibung der Erkrankung
Entzündung des Gebärmutterhalses.
- Eine infektiöse Zervizitis kann durch Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, Mycoplasma genitalium, Ureaplasmen, Herpes-simplex-Virus oder Trichomonas vaginalis verursacht werden.
- Eine chronische Zervizitis ist durch eine Entzündung des Gebärmutterhalses ohne nachgewiesenen Erreger gekennzeichnet.
Zervizitis kann akut mit ausgeprägten infektiösen Symptomen oder chronisch mit persistierender, niedriggradiger Entzündung auftreten. In beiden Fällen liegt der Schwerpunkt der Abklärung auf dem Nachweis sexuell übertragbarer Infektionen und dem Ausschluss schwerwiegenderer Erkrankungen.
Betroffenes System: Reproduktionssystem
Genetik: Keine Angaben
Inzidenz/Prävalenz in den USA:
- Gonorrhoe: 166/100.000; 2 % der sexuell aktiven Frauen unter 30 Jahren.
- Chlamydien: 290/100.000; 5-35 % der Frauen.
- Trichomoniasis: 1200/100.000; 5-25 % der Frauen.
Vorherrschendes Alter: Eine infektiöse Zervizitis tritt am häufigsten bei Jugendlichen auf, kann jedoch Frauen jeden Alters betreffen.
Vorherrschendes Geschlecht: Nur weiblich.
Betroffen sein kann jede Person mit Gebärmutterhals; bei der Risikoabschätzung berücksichtigen Ärztinnen und Ärzte sexuelle Praktiken und Expositionen.

Medizinische Symptome und Krankheitszeichen
- Mukopurulenter (gelber) Ausfluss aus dem Gebärmutterhals.
- Zervikale Erosion oder Rötung.
- Leicht auslösbare Blutungen der Endozervixschleimhaut.
- Druckschmerzhaftigkeit des Gebärmutterhalses.
- Postkoitale Blutung.
- Häufig asymptomatisch.
Da viele Patientinnen asymptomatisch sind, wird eine Zervizitis häufig im Rahmen einer Routine-Beckenuntersuchung oder eines Screenings auf sexuell übertragbare Infektionen entdeckt.
Ursachen der Erkrankung
- Chlamydia trachomatis.
- Neisseria gonorrhoeae.
- Herpes-simplex-Virus.
- Trichomonas vaginalis.
- Mykoplasmen.
- Ureaplasmen.
- Zytomegalievirus.
- Unbekannte und andere Erreger.
Diese Infektionserreger werden meist sexuell übertragen; Koinfektionen mit mehreren Erregern sind häufig.
Risikofaktoren
- Mehrere Sexualpartner.
- Vorgeschichte sexuell übertragbarer Erkrankungen.
- Wochenbett.
| Kategorie | Beispiele | Klinische Anmerkung |
|---|---|---|
| Sexuell übertragbare Erreger | C. trachomatis, N. gonorrhoeae, T. vaginalis, Herpes-simplex-Virus | Häufige infektiöse Ursachen der Zervizitis |
| Andere infektiöse Organismen | Mykoplasmen, Ureaplasmen, Zytomegalievirus | Können als zusätzliche oder gleichzeitig vorhandene Erreger wirken |
| Verhaltensbedingte Risikofaktoren | Mehrere Partner, frühere sexuell übertragbare Erkrankung | Erhöhen das Expositionsrisiko und die Wahrscheinlichkeit von Reinfektionen |
| Lebensphasenbezogene Faktoren | Adoleszenz, Wochenbett, postmenopausale Estrogenmangelsyndrome | Können die Anfälligkeit des Gebärmutterhalses und die lokale Immunität beeinflussen |
Das Erkennen spezifischer infektiöser Ursachen und Risikofaktoren hilft, angemessene Diagnostik, Beratung und Partnerbehandlung zu steuern.
Diagnose der Erkrankung
Die Diagnose beruht auf einer sorgfältigen Sexualanamnese, einer Beckenuntersuchung und gezielten Labortests, um infektiöse Ursachen zu identifizieren und andere Erkrankungen, die eine Zervizitis imitieren, auszuschließen.
Differentielle Diagnosen
- Vaginale Infektionen mit Candida albicans oder Trichomonas vaginalis, die sich auf den Gebärmutterhals ausbreiten.
- Zervixkarzinom.
Laboruntersuchungen
- Endozervikale Gram-Färbung; mehr als 10 Leukozyten pro Hochleistungsfeld (HPF) sprechen für eine Zervizitis.
- Zervixkulturen für C. trachomatis, N. gonorrhoeae.
- Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und Ligasekettenreaktion (LCR) sind empfindlicher als Kulturen für Chlamydien. LCR kann mit Urin durchgeführt werden.
- Enzymimmunoassays (EIA) aus endozervikalen Abstrichen für Chlamydien und Gonorrhoe.
- Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAAT) sind empfindlicher und können auch mit Urinproben durchgeführt werden.
- Nasspräparat für Trichomonas vaginalis.
- Bei Ulzerationen: Kultur auf Herpes-simplex-Virus.
- Venereal Disease Research Laboratory (VDRL) oder Rapid Plasma Reagin (RPR) zum Ausschluss einer gleichzeitigen Syphilis.
| Test | Primäres Ziel | Praktischer Hinweis |
|---|---|---|
| Endozervikale Gram-Färbung | Entzündungszellen und gramnegative Diplokokken | Mehr als 10 Leukozyten pro HPF stützt die Diagnose Zervizitis |
| Zervixkulturen | C. trachomatis, N. gonorrhoeae | Traditionelle Methode; kann durch molekulare Verfahren ergänzt werden |
| NAAT, PCR, LCR | Chlamydien und Gonorrhoe | Höhere Empfindlichkeit; häufig auch mit Urinproben möglich |
| Nasspräparat | T. vaginalis | Praxisbasierter Test zum Nachweis beweglicher Trichomonaden |
| HSV-Kultur | Herpes-simplex-Virus | Bei vorhandenen Ulzerationen am Gebärmutterhals in Betracht ziehen |
| VDRL oder RPR | Syphilis-Serologie | Dient zum Screening auf eine gleichzeitige Syphilis bei Patientinnen mit Zervizitis |
Medikamente, die Laborergebnisse beeinflussen können: Jüngste Antibiotikatherapie.
Erkrankungen, die Laborergebnisse beeinflussen können: Keine Angaben.
Pathologische Befunde
Entzündliche Veränderungen im Pap-Abstrich.
Diagnostische Verfahren
Eine Kolposkopie ist bei chronischer Entzündung mit Biopsie verdächtiger Areale angezeigt.
Eine Kolposkopie kann auch bei persistierenden Blutungen, auffälliger Zytologie oder Verdacht auf Neoplasie erwogen werden.
Behandlung (Medikamentöse Therapie)
Angemessene Versorgung
Ambulante Behandlung.
Allgemeine Maßnahmen
Eine chronische Zervizitis mit negativen Kulturen und Biopsien kann mittels Kryochirurgie behandelt werden.
Dieses Verfahren wird in der Regel Patientinnen mit anhaltenden Symptomen vorbehalten, wenn infektiöse Ursachen und Malignität ausgeschlossen wurden.
Aktivität
Volle Aktivität.
Patientinnen wird meist geraten, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, bis sowohl sie als auch ihre Partner die Behandlung abgeschlossen haben und die Symptome abgeklungen sind.
Ernährung
Keine spezielle Diät erforderlich.
Patientenaufklärung
- Patientin zur konsequenten Verwendung von Kondomen beraten.
- Bei infektiöser Ätiologie soll die Patientin ihre Partner über den Behandlungsbedarf informieren.
Patientinnen sollten ermutigt werden, bei anhaltenden, wiederkehrenden oder neuen Symptomen eine Nachsorge wahrzunehmen.

Medikamente (Arzneimittel)
Präferenzmedikamente
- Bei Verdacht auf eine infektiöse Zervizitis soll ohne Abwarten von Kulturresultaten behandelt werden. Ceftriaxon (Rocephin) 125 mg intramuskulär als Einzeldosis, gefolgt von entweder Doxycyclin (Vibramycin) 100 mg oral zweimal täglich für 7 Tage oder Azithromycin (Zithromax) 1 g als Einzeldosis.
- Bei Trichomoniasis: Metronidazol (Flagyl) 2 g als Einzeldosis.
- Bei Herpes: Aciclovir (Zovirax) 200 mg oral 5-mal täglich (oder 400 mg dreimal täglich) für 7 Tage.
- Eine chronische Zervizitis im Zusammenhang mit atrophischen postmenopausalen Vaginalveränderungen kann auf lokale Estrogencremes ansprechen.
Kontraindikationen:
- Doxycyclin darf bei Schwangeren oder stillenden Müttern nicht angewendet werden.
Vorsichtsmaßnahmen: Doxycyclin sollte nicht zusammen mit Milch, Antazida oder eisenhaltigen Präparaten eingenommen werden.
Signifikante mögliche Wechselwirkungen: Doxycyclin kann die Wirksamkeit von Warfarin (Coumadin) und oralen Kontrazeptiva verringern.
Alternative Medikamente
- Folgende Medikamente können anstelle von Ceftriaxon verwendet werden (Fluorchinolone sollten bei Gonorrhoe bei Patientinnen und Patienten, die nach Hawaii, Kalifornien oder Südostasien gereist sind, aufgrund hoher Resistenzraten nicht verwendet werden):
- Ofloxacin (Floxin) 400 mg oral als Einzeldosis.
- Ciprofloxacin (Cipro) 500 mg oral als Einzeldosis.
- Levofloxacin (Levaquin) 250 mg als Einzeldosis.
- Erythromycin-Base oder -Stearat 500 mg oral viermal täglich bzw. Erythromycin-Ethylsuccinat 800 mg oral viermal täglich können anstelle von Doxycyclin verwendet werden.
Patientenüberwachung
- Kontrollkulturen nach Behandlung sind bei Schwangeren oder Hochrisikopatientinnen nach Chlamydien- oder Gonorrhoe-Behandlung indiziert.
- Jährliche Pap-Abstriche bei sexuell aktiven Patientinnen dienen dem Screening auf eine chronische Zervizitis.
Die Überwachung des Symptomrückgangs und der Therapietreue ist wichtig, um das Risiko von Reinfektionen und Komplikationen zu verringern.
Prävention / Vermeidung
Patientinnen mit mehreren Sexualpartnern sollte geraten werden, bei jedem Geschlechtsverkehr Kondome zu benutzen.
Regelmäßiges Screening auf sexuell übertragbare Infektionen, die zeitnahe Behandlung von Partnern und Beratung zu sicherem Sexualverhalten können helfen, einer Zervizitis vorzubeugen.
Mögliche Komplikationen
- Eine Zervizitis durch C. trachomatis oder N. gonorrhoeae ist mit einem 8-10%igen Risiko für eine nachfolgende Beckenentzündung verbunden.
- Mäßige bis schwere Entzündungen werden mit kondylomatösen Veränderungen und Zervixkarzinom in Verbindung gebracht.
Erwarteter Verlauf / Prognose
- Eine infektiöse Zervizitis spricht in der Regel auf systemische Antibiotika an.
- Eine chronische Zervizitis kann therapieresistent sein und sollte engmaschig auf zervikale Dysplasie überwacht werden.
Eine frühe Diagnose, eine geeignete antibiotische Therapie und konsequente Nachsorge verbessern die Behandlungsergebnisse und helfen, langfristige Folgeschäden zu begrenzen.
Sonstiges
Assoziierte Erkrankungen
Patientinnen mit infektiöser Zervizitis sollten auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen, Syphilis, Trichomoniasis und gegebenenfalls humanes Immundefizienz-Virus (HIV) getestet werden.
Altersbedingte Faktoren
Pädiatrisch: Eine infektiöse Zervizitis bei Kindern sollte eine Abklärung möglichen sexuellen Missbrauchs nach sich ziehen.
Geriatrisch:
- Eine chronische Zervizitis bei postmenopausalen Frauen könnte mit Estrogenmangel zusammenhängen.
- Die Möglichkeit einer infektiösen Zervizitis darf nicht übersehen werden, da viele geriatrische Patientinnen sexuell aktiv bleiben.
Die Beurteilung älterer Patientinnen sollte sowohl infektiöse Ursachen als auch nicht infektiöse Faktoren wie Estrogenmangel berücksichtigen.
Weitere: Jugendliche bleiben eine Hochrisikogruppe für sexuell übertragbare Erkrankungen.
Schwangerschaft
Alle schwangeren Frauen sollten aufgrund des Risikos einer Übertragung auf den Fötus auf eine infektiöse Zervizitis gescreent werden.
Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung helfen, Komplikationen für Elternteil und Neugeborenes zu verringern.
Synonyme
Mukopurulente Zervizitis.
Internationale Klassifikation der Krankheiten
616.0 Zervizitis und Endozervizitis; 098.15 Akute gonokokkale Zervizitis; 079.88 Chlamydieninfektion; 099.53 Andere venerische Krankheiten durch Chlamydia trachomatis, untere genitourinäre Bereiche.

















