Über Atemwegsinfektionen
Obere Atemwegsinfektionen (URIs) betreffen die oberen Atemwege, die aus Nase, Nasennebenhöhlen, Luftröhre, Rachen und Kehlkopf bestehen. Syndrome, die diese Strukturen betreffen, treten manchmal gemeinsam auf, und eine obere Atemwegsinfektion kann in eine andere Form übergehen. Die Abgrenzung dieser Infektionen ist oft schwierig, da sie ähnliche Anzeichen und Symptome verursachen. Häufige URIs sind Erkältung, Pharyngitis, Laryngitis, Krupp, Epiglottitis und Sinusitis. Seit Einführung der allgemeinen Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist die Inzidenz der Epiglottitis jedoch deutlich zurückgegangen. Ein gutes Verständnis dieser Infektionen kann Patientinnen und Patienten helfen, Symptome zu erkennen, Behandlungen angemessen anzuwenden und zu wissen, wann medizinische Hilfe erforderlich ist.
| URI | Erreger | Symptome | Behandlung |
|---|---|---|---|
| Erkältung | Rhinovirus, Coronavirus, Respiratory Syncytial Virus (RSV), Parainfluenzavirus, Influenzavirus, Adenovirus | Nasenverstopfung, Rhinorrhoe, Niesen, leichter Halsschmerz, niedriges oder kein Fieber, Husten, Heiserkeit | Symptomatisch: Dekongestiva, Antihistaminika, Hustenstiller etc.; Vitamin C, Zink, Ipratropium (intranasal), antivirale/antiinflammatorische Kombination |
| Pharyngitis | Viral: Erkältungsviren (siehe oben), Coxsackie-Virus A, Herpes-simplex-Virus, Epstein-Barr-Virus, HIV. Bakteriell: Streptococcus pyogenes | Viral: Halsschmerzen, Kratzen im Hals, Dysphagie. Bakteriell: hohes Fieber, pharyngeales Exsudat, zervikale Adenopathie | Viral: symptomatisch. Bakteriell: Penicillin oder Amoxicillin je nach Indikation; Erythromycin bei Penicillinallergie |
| Laryngitis | Viral: Influenzavirus, Rhinovirus, Adenovirus, Parainfluenzavirus, RSV. Bakteriell: Streptococcus pyogenes. Pilz: Candida albicans (bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten) | Tiefer klingende Stimme, Heiserkeit, Stimmverlust (Aphonie) | Stimmruhe, Behandlung mit feuchter Luft; Antibiotika oder Antimykotika bei entsprechender Indikation |
| Einfacher Krupp | Parainfluenzaviren Typ 1, 2, 3; Influenzavirus; RSV | Tritt nach einer URI auf; trockener, bellender Husten abends; Heiserkeit; Atemnot; kann zu einer Kehlkopfobstruktion fortschreiten | Feuchte, befeuchtete Luft; kühle Luft; vernebeltes Epinephrin; Kortikosteroide |
| Epiglottitis | Haemophilus influenzae Typ b | Rasche Krankheitsentwicklung, Fieber, Sabbern, Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Atemwegsobstruktion | Medizinischer Notfall; erfordert die Anlage eines künstlichen Atemwegs; i.v. Ampicillin und Chloramphenicol oder ein Cephalosporin je nach Kulturbefund |
| Sinusitis | Akut: Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis. Chronisch: Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Anaerobier, resistente Erreger aus akuter Infektion, Pseudomonas aeruginosa, Pilzinfektionen | Kopfschmerzen, Schmerzhaftigkeit der Nebenhöhlen, Nasenverstopfung, Husten | Analgetika, Dekongestiva, empirische Antibiotika, Behandlung der allergischen Sinusitis, Spülung der Nebenhöhlen, Operation |
Erkältung
Die "Erkältung" ist tatsächlich eine Gruppe oberer Atemwegsinfektionen, die durch sechs unterschiedliche Virusfamilien verursacht werden. Die Erkrankung ist meist mild und selbstlimitierend; die Symptome dauern 1-2 Wochen an. In den USA werden jährlich fast 2 Milliarden US-Dollar für rezeptfreie Husten- und Erkältungsmittel ausgegeben.
Rhinoviren verursachen mehr als 30 % der Erkältungen. Coronaviren und das Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) gehören ebenfalls zu den häufigsten Erregern. Die "Erkältungssaison" beginnt meist Ende August oder September und endet nach einem Frühjahrsanstieg im April oder Mai. Erkältungen treten in der Saison oft wiederholt auf, da es eine große Vielfalt an Erkältungsviren gibt. Jeder Virustyp weist unterschiedliche Vorkommensmuster auf, und alle verbreiten sich leicht. Erkältungsviren werden wahrscheinlich auf drei Wegen übertragen: durch direkten Kontakt mit Sekreten auf der Haut und in der Umwelt, über größere Partikel von Atemwegssekreten, die durch die Luft transportiert werden, sowie über infektiöse Tröpfchen, die in der Luft schweben. Die Inkubationszeit für die meisten erkältungsverursachenden Viren beträgt 48-72 Stunden. Ein gutes Verständnis darüber, wie Erkältungen übertragen werden, kann die Bedeutung von Handhygiene und Atemwegsetikette unterstreichen.
Klassische Erkältungssymptome sind Nasenverstopfung und Nasenausfluss, Niesen sowie leichter Halsschmerz oder ein Kratzen im Hals. Fieber ist bei Kindern meist mild und bei Erwachsenen selten um mehr als ein Grad erhöht. Husten und Heiserkeit treten häufig auf. In den meisten Fällen stellen Betroffene die Diagnose selbst, und die Behandlung richtet sich nach den am stärksten belastenden Symptomen. Nasale Obstruktion kann wirksam mit topischen und oralen adrenergen Wirkstoffen behandelt werden; langwirksame Präparate können die Einnahmetreue verbessern. Apothekenteams sollten auf die Dosierungsanweisungen hinweisen und die Begrenzung der Behandlungsdauer mit topischen Dekongestiva betonen, um einen Rebound-Effekt zu vermeiden.
Rhinorrhoe kann mit cholinergen Blockern behandelt werden, um die Drüsensekretion zu reduzieren. Intranasales Ipratropium ist zur Behandlung dieses Symptoms zugelassen. Antihistaminika der 1. Generation wie Clemastinfumarat reduzieren ebenfalls die Rhinorrhoe, vermutlich aufgrund ihrer anticholinergen und nicht primär antihistaminischen Wirkung. Antihistaminika der 2. Generation ohne sedierende Wirkung scheinen keine Wirkung auf Erkältungssymptome zu haben.
Husten bei Erkältung wird typischerweise durch postnasalen Tropf und Obstruktion verursacht und kann auf eine Kombination aus Antihistaminikum und Dekongestivum ansprechen. Hustenstiller wie Dextromethorphan oder Codein sowie Expektoranzien wie Guaifenesin sind bei Erkältung nicht ausreichend untersucht. Ein anhaltender Husten nach Abklingen anderer Erkältungssymptome kann auf Komplikationen wie Sinusitis oder reaktive Atemwegserkrankungen hinweisen. In diesen Fällen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Persistierende oder sich verschlechternde Symptome, hohes Fieber oder Atembeschwerden sollten ebenfalls zeitnah durch eine medizinische Fachkraft beurteilt werden.
Behandlungen, die die Virusinfektion selbst und die Wirtsentzündungsreaktion adressieren, werden untersucht. Vitamin C, das früher als wenig wirksam in der Prophylaxe der Erkältung galt, könnte die Dauer einer Erkältungsepisode tatsächlich um etwa einen Tag verkürzen, möglicherweise durch Beeinflussung der Immunantwort. Gut kontrollierte Studien sind notwendig, um die angemessene Dosis und Dauer zu bestimmen.
Ein vielversprechendes antivirales Mittel ist Zinkgluconat. Zink hemmt in vitro die Replikation von Rhinoviren, die Ergebnisse in vivo sind jedoch inkonsistent. Dies könnte unter anderem an der großen Vielfalt der Formulierungen sowie an Unterschieden im Studiendesign und in der Auswertung liegen. Bis weitere vergleichende Studien vorliegen, kann die routinemäßige Verwendung von Zinkpastillen nicht uneingeschränkt empfohlen werden; die bisherigen Ergebnisse sind jedoch vielversprechend.
Weitere Substanzen, die zur Behandlung der Erkältung untersucht werden, sind Interferon, nichtsteroidale Antiphlogistika und Ipratropiumbromid. Eine Prophylaxe mit Interferon hat sich als unwirksam zur Verhinderung von Erkältungsinfektionen erwiesen. Kombinationspräparate mit intranasalem Interferon und Ipratropium plus oralem Naproxen zeigten bei experimentell induzierten Erkältungen eine gewisse Wirkung. Diese Präparate könnten wirksamer sein als einzelne Wirkstoffe allein und die Dauer einer Erkältung verkürzen.
Pharyngitis
Pharyngitis ist eine akute Entzündung des Rachens. Sie tritt am häufigsten im Rahmen viraler Infektionen wie Erkältung oder Influenza auf. Sie kann auch durch Bakterien verursacht werden, hauptsächlich durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Streptokokkeninfektionen sprechen gut auf Penicilline an; schwere Komplikationen wie akutes rheumatisches Fieber und Glomerulonephritis können dadurch vermieden werden. Für die klinische Praxis und für Patientinnen und Patienten ist die Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Pharyngitis wichtig, da sie die Antibiotikagabe steuert.
Virale Pharyngitis kann Teil einer Erkältung sein und ist meist mild. Eine Pharyngitis im Rahmen einer Influenza kann jedoch schwer verlaufen und steht häufig im Vordergrund der Beschwerden. Coxsackievirusinfektionen, Herpes-simplex-Virus, infektiöse Mononukleose durch Epstein-Barr-Virus und HIV können ebenfalls mit Pharyngitis einhergehen. Die bakterielle Pharyngitis variiert je nach Erreger. Eine Streptokokkenpharyngitis kann zu einer feuerrot entzündeten Rachenschleimhaut mit Exsudat, hohem Fieber und zervikaler Lymphknotenschwellung führen. Bei anderen Betroffenen sind die Symptome und Untersuchungsbefunde nur mild ausgeprägt.
In den meisten Fällen kann keine sichere Diagnose allein anhand der klinischen Befunde gestellt werden. Antigen-Schnelltests helfen, den Bedarf an Antibiotika abzuschätzen. Familienmitglieder und enge Kontaktpersonen mit Symptomen sollten ebenfalls getestet werden. Bei positivem Ergebnis wird eine 10-tägige Therapie mit Penicillin V oder Amoxicillin begonnen. Amoxicillin wird bei kleinen Kindern wegen besserer Verträglichkeit häufig bevorzugt. Eine Einzeldosis Benzathin-Penicillin ist ebenfalls akzeptabel und reduziert Adhärenzprobleme nahezu vollständig. Bei Penicillinallergie sind neuere Makrolide wie Clarithromycin und Azithromycin mit geringerer Rate gastrointestinaler Nebenwirkungen als Erythromycin zu bevorzugen. Bei negativem Schnelltest sollte eine Kultur angelegt werden, um Streptokokken auszuschließen. Die Behandlung kann begonnen und bei negativem Kulturbefund gegebenenfalls abgesetzt werden oder bis zum Ergebnis zurückgestellt werden.
Wenn eine 10-tägige Penicillintherapie versagt, kann eine virale Pharyngitis vorliegen. Ein Therapieversagen kann auch durch unzureichende Adhärenz bedingt sein. Häufige Tagesdosen, geringe Akzeptanz, unerwünschte gastrointestinale Effekte, unsachgemäße Lagerung und ein vorzeitiger Therapieabbruch nach Symptomverbesserung führen zu schlechter Adhärenz. Eine Beratung in der Apotheke kann Adhärenz und Therapieergebnisse deutlich verbessern.
Laryngitis
Infektiöse Laryngitis ist eine häufige Erkrankung, die fast immer durch Viren verursacht wird. Heiserkeit kann jedoch auch bei bakteriellen Atemwegsinfektionen und bei Candida-Infektionen bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten auftreten. Zu den häufigsten Erregern gehören Influenzavirus, Rhinovirus und Adenovirus. Infektiöse Laryngitis geht oft mit Husten und Halsschmerzen einher. Bei Kindern ist Laryngitis häufig Teil einer anderen oberen Atemwegsinfektion wie Krupp. Eine virale Laryngitis ist meist mild. Eine ausgeprägte Heiserkeit mit Atemwegsobstruktion, Atemnot, inspiratorischem Stridor und Luftnot tritt selten auf.
Das Leitsymptom der Laryngitis ist eine tiefer klingende Stimme, Heiserkeit und manchmal vollständiger Stimmverlust. Die körperliche Untersuchung zeigt meist nur eine Rachenentzündung. Bei der Laryngoskopie zeigt sich ein entzündliches Ödem der Stimmbänder und des subglottischen Bereichs. Die Behandlung besteht im Wesentlichen aus Stimmruhe. Das Einatmen feuchter Luft kann Linderung bringen. Da die Ursache meist viral ist, sind Antibiotika in den meisten Fällen nicht hilfreich. Wenn die Heiserkeit länger als 2 Wochen anhält, sollte eine laryngoskopische Untersuchung zur Abklärung erfolgen. Patientinnen und Patienten sollten dringend eine Arztpraxis aufsuchen, wenn sie zunehmende Atembeschwerden, Schmerzen oder Blut im Auswurf bemerken.
Krupp
Einfacher Krupp (akute Laryngotracheobronchitis) ist eine virale Atemwegsinfektion bei Kindern, die zu einer Entzündung des subglottischen Bereichs führt. Die Schwere der Erkrankung hängt unter anderem vom Alter des Kindes, dem Infektionsvirus und einer individuellen Krupp-Neigung ab. Krupp tritt am häufigsten bei Kindern im Alter von 3 Monaten bis 3 Jahren auf, kann aber auch bei älteren Kindern im Rahmen von Atemwegsinfektionen auftreten. Kleinkinder entwickeln bei Krupp eher Atemnot, da ihre Atemwege kleiner sind und durch Entzündung und Ödem stärker verengt werden. Zu den häufigsten viralen Erregern zählen Parainfluenzavirus, Influenzavirus und RSV. Die Häufigkeit zeigt saisonale Schwankungen; Ausbrüche treten meist im Herbst, Winter oder Frühjahr auf.
Die meisten Kinder haben einige Tage vor Beginn des Krupps eine obere Atemwegsinfektion. Es kann leichtes bis mäßiges Fieber und gelegentlich Heiserkeit geben; ansonsten bestehen oft nur wenige Symptome außer Rhinitis oder Konjunktivitis. Leichte Krupp-Fälle zeigen einen typischen "kruppigen" oder "messingfarbenen" Husten, der wie Bellen klingt. Dieser Husten ist meist unproduktiv. Die Symptome verschlimmern sich nachts häufig, wobei das Kind plötzlich mit Atemnot und Angst aufwacht. Tagsüber bessern sich die Symptome oft deutlich oder verschwinden vorübergehend, kehren aber nachts zurück. Über mehrere Tage nehmen die Beschwerden langsam ab. Eine fortschreitende Kehlkopfobstruktion kann zu inspiratorischem Stridor und Atemnot führen. Kleinkinder können dadurch agitiert werden und weinen; dadurch verstärken sich die Symptome und das Atmen wird erschwert. Bei manchen Kindern können hohes Fieber (>39°C (102°F)) und Atemnot zu Hypoxie, Zyanose und kardiopulmonalem Stillstand führen. Dies ist ein medizinischer Notfall.
Die meisten Kinder mit Krupp können zu Hause adäquat behandelt werden. Laryngospasmus lässt sich häufig lindern, indem das Kind in ein geschlossenes Badezimmer gebracht wird, während eine heiße Dusche oder Badewanne läuft, um eine warme, feuchte Umgebung zu schaffen. Auch kalte Außenluft kann Symptome lindern. Wenn sich die Atmung gebessert hat, kann ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer über mehrere Abende helfen, Laryngospasmus zu verhindern. Wenn ein Kind nicht auf die häusliche Behandlung anspricht, sollte eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme aufgesucht werden. Vernebeltes Epinephrin verbessert die Symptome, wirkt jedoch nur kurzfristig, sodass eine Beobachtung erforderlich ist. Häufig werden für 1-3 Tage orale oder parenterale Steroide (meist Dexamethason) zur Abschwellung eingesetzt. Obwohl die Wirksamkeit von Steroiden umstritten ist, verbessert diese Behandlung das klinische Bild oft deutlich bei geringem Nebenwirkungsrisiko.
Kinder, die Krupp hatten, scheinen für weitere Episoden prädisponiert zu sein. Sie könnten hyperreaktive Atemwege mit allergischer Komponente haben. Diese Theorie stützt sich auf die häufige Feststellung positiver Hauttests und einer familiären Allergievorbelastung bei Kindern mit Krupp-Prädisposition. Oft wird empfohlen, bei solchen Patientinnen und Patienten während jeder oberen Atemwegsinfektion einen Luftbefeuchter im Schlafzimmer zu verwenden, um Krupp zu verhindern. Für diese Maßnahme ist die Wirksamkeit jedoch nicht belegt.
Epiglottitis
Epiglottitis ist eine rasch fortschreitende, lebensbedrohliche Schwellung des Kehldeckels und des umliegenden Gewebes. Sie wird meist durch Haemophilus influenzae Typ b verursacht. Typischerweise betroffen sind 2- bis 4-jährige Jungen mit 6-12 Stunden Fieber und Schluckbeschwerden. Ältere Kinder und Erwachsene klagen meist über Halsschmerzen. Das diagnostisch richtungsweisende Kennzeichen der Epiglottitis, das sie von Krupp, Diphtherie, angioneurotischem Ödem oder Fremdkörperaspiration unterscheidet, ist das Erscheinungsbild der betroffenen Person. Diese Patientinnen und Patienten werden häufig als "toxisch" beschrieben: Sie sind blass, lethargisch, reizbar, hypotensiv und dehydriert und haben eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz. Sie haben meist Atemnot, sitzen nach vorne gebeugt und sabbern, da sie nicht schlucken können. Inspiratorischer Stridor und Heiserkeit können auftreten. Die Diagnose wird durch Inspektion des hellroten Kehldeckels gestellt. Eine Epiglottitis kann innerhalb von 30 Minuten nach Symptombeginn zu einer kompletten Atemwegsobstruktion führen. Es muss sofort ein Atemweg durch Intubation gesichert werden. Der Tubus verbleibt 3-5 Tage, bis Entzündung und Schwellung des Kehldeckels abklingen. Die Standardbehandlung umfasst 7-10 Tage parenterale Antibiotika. Haushaltskontakte unter 4 Jahren erhalten eine Rifampicin-Prophylaxe mit 20 mg/kg/Tag (max. 600 mg/Tag) für 4 Tage. Patientinnen und Patienten werden mit gleicher Therapie entlassen, um eine erneute Erreger-Einschleppung zu verhindern. Aufgrund der routinemäßigen Hib-Impfung ist Epiglottitis in vielen Regionen seltener geworden, erfordert aber bei jedem Verdacht eine Notfallbehandlung.
Sinusitis
Sinusitis ist eine Infektion der Nasennebenhöhlen, die häufig auf eine virale obere Atemwegsinfektion folgt oder als Komplikation einer allergischen Rhinitis auftritt. Wenn sie nicht wirksam behandelt wird, kann Sinusitis zu schweren Infektionen wie bakterieller Meningitis, subduralem oder epiduralem Abszess oder Hirnabszess führen.
Sinusitis kann akut oder chronisch verlaufen. Die meisten akuten Fälle werden durch Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis verursacht. Anaerobe Bakterien und Staphylococcus aureus sind Hauptursachen chronischer Sinusitis und ihrer intrakraniellen Komplikationen. Pseudomonas aeruginosa verursacht Sinusitis bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten oder bei Personen mit nasalen Tuben oder Kathetern; Pilze können bei HIV-Infizierten Auslöser sein.
Akute Sinusitis geht häufig mit grünlich-gelbem Nasenausfluss einher, der jedoch auch eitrig oder klar sein kann. Viele Betroffene klagen zudem über Husten, postnasalen Tropf, leichtes Fieber, Kopfschmerzen und verminderten Appetit. Druckschmerz über den Kiefer- oder Stirnhöhlen kann bestehen, und in Röntgenaufnahmen der Nebenhöhlen können Trübungen sichtbar sein. Empirisch werden Ampicillin oder Amoxicillin für 10-20 Tage eingesetzt. Diagnostische Tests zum Erregernachweis (Sinushöhlenpunktion) sind invasiv und kostenintensiv. Orale Antibiotika können nach 10-14 Tagen abgesetzt werden, wenn die Symptome verschwunden sind. Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Verlängerung um weitere 10-14 Tage erforderlich sein. Dekongestiva (topisch oder systemisch) und orale Antihistaminika sind bei allergischer Rhinitis hilfreich. Intranasale Steroide können das Risiko für eine Pilzsinusitis erhöhen.
Chronische Sinusitis wird diagnostiziert, wenn die Symptome länger als 6 Wochen anhalten. Diese Infektionen werden häufig durch Anaerobier, Staphylococcus aureus oder resistente Erreger nach vorangegangener antimikrobieller Behandlung verursacht. Die Behandlung kann Beta-Laktamase-Inhibitoren (z. B. Amoxicillin/Clavulansäure), Cephalosporine oder neuere Makrolidantibiotika erfordern. Bei resistenten Infektionen sind weiterführende Diagnostik und eine Anpassung der Antibiotikatherapie erforderlich. Chronische Sinusitis kann zu bleibenden Schleimhautschädigungen führen.
Komplikationen und wann dringende medizinische Hilfe erforderlich ist
Obwohl die meisten oberen Atemwegsinfektionen selbstlimitierend sind, können sie gelegentlich zu ernsthaften Komplikationen führen. Die folgende Tabelle fasst ausgewählte Komplikationen aus diesem Artikel zusammen und hebt Situationen hervor, in denen eine dringende Abklärung wichtig ist.
| Infektion | Erwähnte mögliche Komplikationen | Wann dringende Versorgung erforderlich ist |
|---|---|---|
| Erkältung | Anhaltender Husten nach Abklingen anderer Symptome kann auf Sinusitis oder reaktive Atemwegserkrankungen hinweisen. | Ein persistierender Husten nach einer Erkältung sollte ärztlich abgeklärt werden, um Komplikationen auszuschließen. |
| Pharyngitis (streptokokkenbedingt) | Akutes rheumatisches Fieber und Glomerulonephritis, wenn die Infektion nicht adäquat behandelt wird. | Eine rasche Antibiotikatherapie und gute Therapietreue können diese schweren Komplikationen verhindern. |
| Krupp | Fortschreitende Kehlkopfobstruktion, Hypoxie, Zyanose und kardiopulmonaler Stillstand bei schweren Fällen. | Hohes Fieber, inspiratorischer Stridor oder Zeichen der Atemnot bei Krupp erfordern eine notfallmäßige Abklärung. |
| Epiglottitis | Rasch einsetzende Atemwegsobstruktion, die eine sofortige Atemwegssicherung erfordert. | Jeder Verdacht auf Epiglottitis ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine dringliche Atemwegssicherung und stationäre Behandlung. |
| Sinusitis | Bakterielle Meningitis, subdurale oder epidurale Abszesse, Hirnabszess und bleibende Schleimhautschädigungen bei chronischer Erkrankung. | Anhaltende, sich verschlechternde oder wiederkehrende Beschwerden der Nasennebenhöhlen trotz Behandlung sollten fachärztlich abgeklärt werden. |
Händewaschen ist der effektivste Weg, die Verbreitung von Sinusitis zu verhindern. Bei atopischen Patientinnen und Patienten kann eine gute Kontrolle der allergischen Rhinitis die Episoden akuter Sinusitis reduzieren. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, kann der frühe Einsatz nasaler Dekongestiva bei Nasenverstopfung eine unzureichende Sinusdrainage und drohende Infektionen verhindern. Eine adäquate Behandlung der akuten Sinusitis kann auch die Entwicklung einer chronischen Erkrankung verhindern. Insgesamt können eine sorgfältige Symptombeobachtung sowie ein frühes Hinzuziehen medizinischer Fachkräfte bei Bedenken die Sicherheit und Behandlungsergebnisse bei oberen Atemwegsinfektionen verbessern.

















